Graz · Ratgeber

Essen in Graz, nach Stadtteil sortiert

Graz gilt als Feinschmeckerstadt, und das ist einer der wenigen Werbesprüche einer Tourismusregion, gegen den sich wenig sagen lässt. Weniger oft gesagt wird, dass sich die Lokale sehr ungleich über die Stadt verteilen — und dass die Gegend, in der man schläft, deshalb mehr über die Abende entscheidet als die Auswahl an Restaurants insgesamt.

Stand 09/2026993 Wörterrund 5 Min. Lesezeit8 Abschnitte

Unser Datenauszug aus OpenStreetMap zählt für das Grazer Stadtgebiet 294 Restaurants, 197 Cafés und 118 Pubs und Bars — zusammen 609 Lokale, davon 212 mit vermerktem Außenbereich. Häufigste Küchenangabe ist mit Abstand regional (69 Nennungen), danach folgen italienisch (44) und Pizza (37). Das ist keine Rangliste der Qualität; es ist eine Karte der Dichte. Und die ist aussagekräftiger, als sie klingt.

Innere Stadt — Weinstuben und Kaffeehäuser

Die höchste Lokaldichte der Stadt, aber mit einer Schlagseite: Was hier steht, ist überwiegend traditionell und überwiegend teuer. Die Cluster liegen rund um Färberplatz, Mehlplatz, Prokopigasse und Franziskanerplatz — vier Plätze, die man in fünf Minuten alle abgeht.

Charakteristisch sind die Weinstuben: Die Herzl (Prokopigasse 12), die Gamlitzer Weinstube (Mehlplatz 4), der Franziskanerkeller (Kapaunplatz 5). Dazu die Kaffeehäuser — Café Herzog (Herrengasse 6), Sorger (Sporgasse 4), das Traditions-Café Erzherzog Johann (Sackstraße 3–5).

Was dazwischen aufgemacht hat, ist bemerkenswert unaufgeregt eingefügt: Ramen Makotoya (Sporgasse 11), El Pescador (Landhausgasse 6), Hops Craft Beer Pub (Prokopigasse 14). Die Altstadt hat sich modernisiert, ohne ihre Weinstuben zu verlieren — das ist selten.

Der Haken: Am Abend ist die Gegend voll, und die Preise folgen der Lage. Wer hier isst, zahlt für den Platz mit.

Lend — die interessanteste Auswahl

Wenn Graz einen Bezirk hat, der sich in den letzten fünfzehn Jahren verändert hat, ist es dieser. Rund um den Lendplatz und die Mariahilferstraße steht die dichteste und deutlich internationalste Auswahl der Stadt.

Am Lendplatz allein: Lendplatzl (regional, Lendplatz 11), Zur Steirerstub’n (Lendplatz 8), Hommage (Lendplatz 7), Bakaλiko (griechisch, Lendplatz 1), Chivito und La Meskla (beide lateinamerikanisch, Lendplatz 40). Dazu der Bauernmarkt direkt am Platz, mit eigenen Imbissständen.

Eine Straße weiter, an der Mariahilferstraße, wird aus Essen Ausgehen: Brot & Spiele (Nr. 17), Miles Jazzbar (Nr. 24), Ginger Bar (Nr. 26), Rangoon (Nr. 15). Und in der Stockergasse Die Scherbe, die eine Institution ist.

Der Haken: Es ist laut. Wer im Lend wohnt und früh schlafen will, sollte auf die Hofseite achten.

Gries — die günstigste Ecke

Südlich davon, jenseits des Griesplatzes, wird es preiswerter und weniger poliert. Die Auswahl ist stark türkisch, balkanisch und ostafrikanisch geprägt: Lezzet Sofrası (Griesplatz 24), Grill am Gries (Nikolaiplatz 4a), Meet me there (Griesgasse 50), Nivan (Albert-Schweitzer-Gasse 49). Dazu Al Fiume am Grieskai 38 und die Postgarage in der Dreihackengasse, die eher Veranstaltungsort als Café ist.

Gries ist der Bezirk, in dem man in Graz am günstigsten satt wird. Er ist auch der, der auf keiner Hochglanzseite steht.

Jakomini — Küchen aus aller Welt

Südöstlich der Altstadt, rund um Schönaugasse, Grazbachgasse und Dietrichsteinplatz, steht die international breiteste Auswahl der Stadt — und zwar nicht als Konzept, sondern gewachsen: Café ABOL (äthiopisch, Schönaugasse 16), Chopan (afghanisch, Schönaugasse 12), Himalaya Masala (Grazbachgasse 35), Restaurant Mekong (vietnamesisch, Grazbachgasse 42), Bao Bar (Dietrichsteinplatz 16), Isaan Thai (Klosterwiesgasse 13), Zimt (persisch, Jakoministraße 19).

Daneben hält sich das Bodenständige: Pirsch Stüberl und Corti in der Münzgrabenstraße, s’Biertgartl im Ritterwirt in der Schönaugasse.

Der Haken: Die Wege sind länger als in der Altstadt. Jakomini ist kein Platz, den man abgeht, sondern ein Raster, in dem man Ziele ansteuert.

Geidorf — das Universitätsviertel

Nordöstlich, rund um die Zinzendorfgasse, liegt die studentischste Gasse der Stadt: Geek’s Café (Nr. 25), Propeller (Nr. 17), Beanery Coffee (Nr. 20), Martin Auer (Nr. 29), Posaune (Nr. 34), Hao Chi (Nr. 32), dazu Sakana in der Halbärthgasse und Harrach in der Harrachgasse.

Die Preise sind niedrig, die Öffnungszeiten lang, und in den Semesterferien ist die Hälfte davon zu. Das ist der wichtigste Hinweis zu diesem Viertel: Es lebt vom Studienbetrieb. Das Wintersemester an der Universität Graz beginnt am 1. Oktober 2026 — davor ist es hier deutlich ruhiger.

Der Sonntag, und andere Zeitfragen

Bei 487 der erfassten Lokale sind Öffnungszeiten in OpenStreetMap hinterlegt. Bei mindestens 61 davon steht ausdrücklich, dass sonntags geschlossen ist — die tatsächliche Zahl liegt deutlich höher, weil viele Einträge den Sonntag schlicht nicht anführen. Genau zwei Orte in unserem Auszug sind mit `24/7` vermerkt.

Für die Planung heißt das:

Und die generelle Einschränkung: Öffnungszeiten in OpenStreetMap sind Freiwilligenarbeit und regelmäßig veraltet. Sie taugen für die Frage „ist das eine Gegend, in der abends offen ist“ — nicht für die Frage „hat dieses Lokal heute offen“.

Wo man dafür wohnen sollte

Wer sein Hotel nach dem Abendessen aussucht — und das ist keine schlechte Idee, weil man abends müde ist und ungern fährt:

Der Vergleich aller Bezirke steht unter Wo in Graz übernachten, die einzelnen Häuser unter Lend & Gries, Innere Stadt und Jakomini & Geidorf.